So viel mehr…

 

herbstvielfalt

 

Ich betreue, versorge und pflege unseren schwerkranken Sohn.

Nicht allein.

Gemeinsam mit meinem Mann, einem wundervollen Kindergarten, engagierten Krankenschwestern, ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern und Freunden.

Und: 

Ich gehe zum Friseur. Mehr oder weniger regelmäßig. Ich kaufe mir ab und an ein paar neue Klamotten, dusche jeden Morgen, föhne meine Haare, trage danach eine getönte Tagescreme auf und tusche meine Wimpern. Täglich. Wenn das mal nicht der Fall ist, dann nur, weil mich zum Beispiel fiese Magen-Darm-Keime oder sonstige bakterielle Plagegeister niederstrecken. Oder es handelt sich um einen „Schlafitag“.  So heißen in unserer Familie die verregneten Sonntage, an denen wir bis nachmittags den Schlafanzug anlassen und auf dem Sofa rumlümmeln.

An allen anderen Tagen pflege und richte ich mich gern. Das ist Ausdruck für mich dafür, dass ich mir wichtig bin. Und mich als Frau fühle. Als normale Frau.

Voll und ganz.

Ich gehe einmal die Woche abends mit meinem Mann Salsa tanzen (wenn nichts dazwischen kommt), manches Wochenende läuten wir mit einem oder zwei Gläser Wein zuhause oder in der Kneipe ein. Wir gehen ins Theaterhaus (die Stuttgarter kennen es und dieses Jahr waren wir sogar schon zweimal dort!), ins Kino (das ist allerdings etwas seltener geworden), in Konzerte und auf Vorträge.

Ich koche gerne, aber essen finde ich noch besser. Ich liebe die Berge. Ein wenig mehr als das Meer.

Ich treffe mich (so oft es eben geht) mit Freunden. In der richtigen Welt. Nicht in der virtuellen.

Meistens verabreden wir uns zum Quatschen, aber auch zum Sport machen, zum Wandern, zum Ostereier bemalen, und manchmal zum Betrinken (dieser Zustand ist allerdings mit zunehmenden Alter recht schnell erreicht).  Ich gehe mit Ihnen in Museen und in Ausstellungen oder spazieren.

Ich lese Zeitung (am liebsten die Süddeutsche) und Bücher. Ich verfolge beunruhigt die aktuelle politische Entwicklung in vielen Ländern.

Ich schreibe viel.

Ich würde mich als „interessierten Menschen“ bezeichnen.  Am allermeisten interessieren mich die Menschen – warum sie so sind, wie sie eben sind.

Mit Tom gehe ich gelegentlich in die Kletterhalle, zum Schwimmen – mit Julius zum Reiten (wenn er fit genug ist). Ich gehe zu Elternabenden, Weihnachtsfeiern, verkaufe Kaffee und Kuchen an „Tagen der offenen Türen“ von Schulen oder Kindergärten meiner zwei Söhne.

Natürlich würde ich all das gerne noch viel öfter oder intensiver machen, und wie den meisten anderen fehlt mir dazu häufig die Zeit. Und manchmal die Energie.

Aber all das bin ich.

EBEN AUCH.

WIEDER.

 

 

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