Parkplatzschilder können glücklich machen

 

 

Dachstein 2006 006

 

Wir sind ziemlich oft in Bayern. In den Ferien und häufig an den Wochenenden. Und wenn wir in Bayern sind, dann immer am selben Ort. Man kennt uns dort, uns Spezialurlauber. Unser „Zuhause“ befindet sich in einer Ferienanlage mitten im Grünen, na ja, in der „Pampa“, wie es so schön heißt.

Wir können mit dem Auto zwar direkt bis zu unserem „Urlaubsdomizil“ fahren, aber am Haus herrscht ein strenges Parkverbot. Nicht nur, weil man keine Autos herumstehen haben will, nein, es ist schlichtweg zu eng. Schließlich handelt es sich bei dem Vorplatz um eine Wendeplatte, die man zum Rangieren benötigt.

Für uns bedeutet das, mit einem bis unters Dach beladenen Auto immer folgendes: Vor der Tür parken, Kofferraum öffnen, Therapiestuhl ausladen, Rehabuggy ausladen, Ernährungsutensilien für Julius ausladen, Inhalator ausladen, Reisetasche ausladen, Kinder ausladen, Hund ausladen. Alles in die Wohnung schleppen, Auto wegfahren.

Am nächsten Tag, wenn wir einen Ausflug planen, heißt das: Auto holen, Kofferraum öffnen, Rehabuggy einladen, Ernährungsutensilien einladen, Kinder einladen, Hund einladen…

Wenn wir zurückkommen…

Lieber Leser, du ahnst, was folgt: Kofferraum, Rehabuggy, Ernährungsutensilien, Kinder, Hund, und dann die Frage: „Wer fährt jetzt noch das Auto weg?

Und vor kurzem ist etwas geschehen. Das will ich erzählen:

Wir reisen spät am Abend an. Ich bin müde, habe Hunger, will raus aus der Jeans und rein in meine Schlabberhose. Eine anstrengende Woche liegt hinter mir. Meine Gedanken gruseln sich vor all den sperrigen Dingen, die wir noch zu Hause in den Wagen gestopft haben und gleich AUSLADEN werden. Therapiestuhl, Rehabuggy…und dann müssen wir ja noch…ja, genau!

Das Auto wegfahren!

Und plötzlich sehe ich es. Das kleine Blechteil. Es ist so klein, so unscheinbar, fast niedlich. Wahrscheinlich hat es bis jetzt kaum jemand wahrgenommen. Aber für mich ist es großartig! Es strahlt mich förmlich an, wie 1000 LED-Leuchten.

Und als ich es so anblicke, da werden meine Augen feucht. Ich muss weinen.
„Was ist denn jetzt los?“ fragt mich Michael erstaunt.

„Na, da. Schau doch!“ schniefe ich und deute auf das blaue Schildchen in der Wiese, direkt neben unserem Hauseingang.

 

Behindischild

 

„Ach, das ist ja nett!“ meint Michael als er es erkennt.

Und das gibt mir den Rest. Ich breche in Tränen aus, ich schluchze, muss mir die Nase putzen und kann den Blick nicht von diesem Schild abwenden.

Und das nach dieser Woche! Nach einer Woche, in der ich mit der Krankenkasse um einen Freizeitrehabuggy für Julius gekämpft (und verloren) habe, dabei gehört habe, wie teuer unsere häusliche Krankenpflege für ihn ist, in der ich einen 15 (oder noch mehr)- seitigen Sozialhilfeantrag (!) ausgefüllt habe, weil wir Julius für ein Wochenende in die Kurzzeitpflege geben möchten. In einer Woche, in der ich das Gefühl hatte, dass mir die ganzen bürokratischen Anforderungen, so wie fiese Viren einer schweren Grippe, noch sämtliche Kraft entziehen werden. Nach so einer Woche komme ich hier an und sehe, dass irgendein netter Mensch, vielleicht der Hausmeister (ich weiß es bis heute noch nicht), genau vor dem Ferienhaus, ein kleines Behindertenparkplatzschild in den Boden gerammt hat. Einfach so! Völlig unbürokratisch! Und da steckt es jetzt feste, mitten im Gras.

Kurz flackert die Befürchtung meines gebrandmarkten Gehirnes auf: Das ist bestimmt nicht amtlich zugelassen!

Aber das unglaublichste an diesem Schild ist schlichtweg: Ich habe keinen Antrag dafür gestellt. Ich habe nicht einmal danach gefragt! Mich zuvor nicht beschwert. Nichts.

Da muss man doch vor Freude weinen!

4 Gedanken zu „Parkplatzschilder können glücklich machen

  1. Danke kleiner, großer Engel, der da angeflogen und dieses Schild montierte. Du hast einer liebenvollen Familie einen großen Dank erwiesen, ohne lange darüber nachzudenken.
    DankeDankeDankeDankeDanke. Handkuss.

  2. Auch ich hatte Tränen in den Augen,
    einfach weil ich weiß, wie es ist im täglichen Behörden- und Großstadtgewühl zu „überleben“.

    Dem unbürokratischen Engel ein großes Lob- manchmal muss man eben Tatsachen schaffen um die Welt ein wenig besser zu machen…

    Ich wünsche euch einen tollen Urlaub und ganz fest, dass nicht irgend ein Neider daherkommt und Paragraphen reitet.

  3. Liebe Gabi,

    es sollte so sein, da bin ich mir ganz sicher! Nach so einer Woche mit solchen Steinen und dem Kampf mit dieser unglaublichen stursinnigen Bürokratie musste einfach ein Lichtblick her! Ich freu mich mit Dir.

    Liebe Grüße
    Kerstin

  4. Es gibt eben doch noch Menschen auf dieser Welt, die sich ohne Angst vor Konsequenzen für andere Stark machen und mit ihrem Handeln pures Glück und Freude verbreiten!

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